5 Fragen an: Tanja Herrmann Hurtzig– Expertin für Bewerbung und Karriereplanung

#Bewerbung

Wer bin ich, was kann ich, was will ich? Das sind die allerersten Fragen, die du dir stellen solltest, wenn du dich beruflich neu orientieren möchtest. Diese Standortanalyse ist ein ganz zentrales Element, um dann bei der Bewerbung mit einer klaren Positionierung aufzutreten- und das mögen Arbeitgeber. Warum genau diese Fragen so wichtig sind, verrät uns Tanja Herrmann-Hurtzig im Interview.

Liebe Frau Herrmann-Hurtzig wann ist der beste Zeitpunkt für eine berufliche Neuorientierung?

Tanja Herrmann-Hurtzig: Das hängt natürlich auch von der persönlichen Lebenssituation ab. Habe ich einen (vermeintlich) sicheren Arbeitsplatz und bin auf das Geld angewiesen, oder habe ich die Möglichkeit im Zweifel auch eine zeitlang ohne geregeltes Einkommen auszukommen.

Ich glaube spätestens, wenn ich im Job Langeweile habe und das Gefühl, ich kann eigentlich mehr und darf das in meinem Umfeld nicht. Natürlich ist es auch spätestens Zeit den Job zu wechseln, wenn ich montags schon mit Bauch- oder Kopfschmerzen aufstehe und nur Freitag herbei sehne. Hier ist es ganz wichtig zu überlegen und herauszufinden, was ist tatsächlich der Grund für meine Unzufriedenheit, sonst komme ich vom Regen in die Traufe.

Dann gibt es natürlich die „Chance“ sich beruflich ganz neu zu orientieren, wenn ich zum Beispiel durch eine betriebsbedingte Kündigung „gezwungen“ werde, mir einen neuen Job zu suchen. DIE Möglichkeit zu überlegen, was ich jetzt wirklich gerne machen möchte. Manchmal braucht es diesen Kick, um sich zu trauen.

Was wäre der erster Schritt, wenn ich mich neu orientieren möchte?

Tanja Herrmann-Hurtzig: Aus meiner Sicht ist das Wichtigste erstmal eine Standortanalyse durchzuführen. D.h. was kann ich und was will ich wirklich? Was sind meine Werte und wofür brenne ich. Das wird aus meiner Erfahrung als ehemalige Personalleiterin leider häufig unterschätzt und die Menschen wundern sich, warum sie 200 Bewerbungen schreiben und keinen Job finden.

Und was ist ihrer Erfahrung nach das wichtigste Kriterium für einen erfolgreichen Berufswechsel?

Tanja Herrmann-Hurtzig: Das allerwichtigste ist tatsächlich die Auseinandersetzung mit sich selbst und dann bestenfalls ein gutes Netzwerk, was ich die vergangenen Jahre aufgebaut habe.

Worauf sollte ich bei meiner Bewerbung achten, wenn ich mich als Quereinsteiger bewerbe? 

Tanja Herrmann-Hurtzig: Der PersonalerIn sollte in der Bewerbung sehen: Warum will ich als Bewerber wechseln? Was hat das Unternehmen trotzdem von meinen Qualifikationen, die ich mir schon in einem anderen Bereich erworben habe. Welche „Querverbindungen“ lassen sich knüpfen? Und auch das wird ganz häufig von Bewerbern unterschätzt und nicht für wichtig erachtet. Im Coaching finden wir häufig heraus, welche tollen Qualifikationen für den Quereinstieg der Türöffner sind.

Zuletzt, welchen einen Tipp haben Sie für Personen, die beruflich nochmal neu starten wollen?

Tanja Herrmann-Hurtzig: Auch hier, als allererstes ist aus meiner Sicht die „Standortanayse“ Grundvoraussetzung. Ohne eine gute Basis und die Auseinandersetzung mit mir selbst, brauche ich mich nicht noch einmal neu zu orientieren. Zuerst muss ich wissen: Was kann ich? Was will ich? Wie ist mein Selbstbild und wie ist mein Fremdbild? Warum kommen Freunde und Kollegen zu mir, was schätzen sie an mir und meiner Arbeit? Und natürlich, was will ich in Zukunft machen, damit ich montags gerne wieder aufstehe, um zu arbeiten. Wofür brenne ich und wie kann ich das dann auch finanziell auf gute Füße stellen.

Vielen Dank, liebe Frau Herrmann-Hurtzig, für dieses spannende Interview.

About:

Tanja Herrmann-Hurtzig ist seit über 20 Jahren im Personalbereich tätig. Ihre Erfahrungen als Personalleiterin mit tausenden von Bewerbungsgespächen gibt sie jetzt als Business Coach bei der Bewerbung und Karriereplanung weiter. Tipps, ein inspirierender Podcast und weitere Informationen findest du auf ihrer Website Herrmann-Hurtzig.de.

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